Der Brief
Anonymverfügung und die anderen drei
Vier Schreiben, vier Regeln. Der Name oben auf dem Blatt entscheidet über Höchstbetrag, Rechtsmittel, Frist und darüber, ob überhaupt etwas eingetragen wird — und dieser Unterschied ist wichtiger als der Betrag darunter.

Instrumente
Welcher Zettel ist das?
Vier Schreiben, vier Regeln. Der Name oben auf dem Blatt entscheidet über Höchstbetrag, Rechtsmittel, Frist und Registerfolge — und dieser Unterschied ist wichtiger als der Betrag darunter.
Die Organstrafverfügung — im Alltag Organmandat genannt — wird von einem Straßenaufsichtsorgan an Ort und Stelle festgesetzt, für Übertretungen, die es selbst wahrgenommen hat oder die eingestanden wurden. Ihr Höchstbetrag liegt bei 90 €. Sie kennt kein Rechtsmittel, aber das bedeutet nicht, dass Sie zahlen müssen: Die Annahme darf verweigert werden. Dann wird die Organstrafverfügung gegenstandslos und die Sache geht als Anzeige an die Behörde. Wer den Beleg mitnimmt und nicht binnen 2 Wochen zahlt, hat damit ebenfalls verweigert.
Die Anonymverfügung ist der Zettel ohne Namen. Sie ergeht typischerweise nach einer automatisierten Messung und wird an die Person zugestellt, von der die Behörde annimmt, dass sie den Lenker kennt — in der Regel der Zulassungsbesitzer. Ihr Höchstbetrag liegt bei 365 €, ihre Zahlungsfrist bei 4 Wochen. Sie richtet sich an niemanden persönlich, ist ausdrücklich keine Verfolgungshandlung und kennt deshalb auch kein Rechtsmittel.
Die Strafverfügung ist die erste förmliche Entscheidung. Die Behörde erlässt sie ohne vorheriges Ermittlungsverfahren, wenn die Übertretung von einem Organ wahrgenommen, eingestanden oder mit einem Messgerät festgestellt wurde. Ihr Höchstbetrag liegt bei 600 €; für die Tatbestände, deren Beträge im Vorhinein durch Verordnung festgesetzt sind, bei 500 €. Und sie ist das erste Schreiben mit einem echten Rechtsmittel: dem Einspruch binnen 2 Wochen.
Das Straferkenntnis schließt das ordentliche Verfahren ab. Es hat keinen eigenen Höchstbetrag — es trägt den Strafrahmen der Bestimmung, gegen die verstoßen wurde. Dafür trägt es als einziges der vier Schreiben einen Kostenbeitrag: 10 % der verhängten Strafe, mindestens 10 €. Dagegen steht die Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht binnen 4 Wochen offen.
Organstrafverfügung
VStG § 50
Das Organmandat: ein Straßenaufsichtsorgan hält Sie an und setzt die Strafe an Ort und Stelle fest. Sie zahlen sofort oder mit dem Beleg.
- Höchstbetrag
- 90 €
- Rechtsmittel
- keines — Zahlung darf aber verweigert werden
Anonymverfügung
VStG § 49a
Der Zettel ohne Namen. Er richtet sich an kein bestimmtes Gegenüber — deshalb wird nichts eingetragen, wenn er fristgerecht bezahlt wird.
- Höchstbetrag
- 365 €
- Rechtsmittel
- keines — sie wird bei Nichtzahlung gegenstandslos
Strafverfügung
VStG § 47 · Einspruch § 49
Die erste förmliche Entscheidung der Behörde, ohne vorheriges Ermittlungsverfahren. Ab hier gibt es ein Rechtsmittel.
- Höchstbetrag
- 600 €
- Rechtsmittel
- Einspruch
Straferkenntnis
VwGVG § 7 · Kosten VStG § 64
Der Abschluss des ordentlichen Verfahrens. Es trägt den vollen Strafrahmen der verletzten Bestimmung und den Kostenbeitrag.
- Höchstbetrag
- kein eigener Höchstbetrag — es gilt der Strafrahmen der Bestimmung
- Rechtsmittel
- Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht
Instrumentenvergleich
Die vier im direkten Vergleich
Dieselbe Übertretung kann auf jedem dieser Wege ankommen. Was sich unterscheidet, ist nicht der Vorwurf, sondern das Verfahren.
Der praktisch wichtigste Unterschied steht in der Spalte „Registerfolge". Eine fristgerecht bezahlte Anonymverfügung erzeugt keinen Eintrag, wird in keiner amtlichen Auskunft aufscheinen und darf bei einer späteren Strafbemessung nicht berücksichtigt werden; die Daten sind binnen 6 Monaten zu löschen. Eine Strafverfügung und ein Straferkenntnis erzeugen dagegen eine Vormerkung, wenn die Tat ein Vormerkdelikt ist.
Der zweitwichtigste steht in der Spalte „Rechtsmittel". Nur zwei der vier Schreiben kennen eines. Bei den beiden anderen ist die Nichtzahlung der einzige Weg, eine überprüfbare Entscheidung zu erzwingen — mit dem Kostenrisiko des förmlichen Verfahrens als Preis.
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| Instrument | Höchstbetrag | Rechtsmittel | Frist | Registerfolge |
|---|---|---|---|---|
| OrganstrafverfügungVStG § 50 | 90 € | keines — Zahlung darf aber verweigert werden | 14 Tage | keine Vormerkung durch das Instrument selbst |
| AnonymverfügungVStG § 49a | 365 € | keines — sie wird bei Nichtzahlung gegenstandslos | 28 Tage | keine — sie ist keine Verfolgungshandlung |
| StrafverfügungVStG § 47 · Einspruch § 49 | 600 € | Einspruch | 14 Tage | Vormerkung, wenn die Tat ein Vormerkdelikt ist |
| StraferkenntnisVwGVG § 7 · Kosten VStG § 64 | — | Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht | 28 Tage | Vormerkung, wenn die Tat ein Vormerkdelikt ist |
Straferkenntnis: kein eigener Höchstbetrag — es gilt der Strafrahmen der Bestimmung.
- Geltungszeitraum
- VStG-Instrumente idF BGBl. I Nr. 57/2018 (in Kraft 01.01.2019)
- Fundstelle
- VStG idF BGBl. I Nr. 57/2018; VwGVG § 7 idF BGBl. I Nr. 109/2021; KFG § 134 idF BGBl. I Nr. 79/2026
Geplante Änderung
- ab 01.10.2026: Der Höchstbetrag der vorläufigen Sicherheitsleistung nach dem KFG wird angehoben. Die im Gesetz fixierten Beträge für Handy, Gurt und Sturzhelm bleiben davon unberührt.BGBl. I Nr. 79/2026 · KFG 1967 § 134
Ablauf
Was der Reihe nach passiert
Vom Foto bis zum Straferkenntnis — und an welcher Stelle es ein Rechtsmittel gibt und an welcher nicht.
Der typische Weg einer automatisierten Messung ist in Österreich gut vorhersehbar, und es lohnt sich, ihn einmal ganz zu kennen: Jede Stufe hat ihre eigene Frist, und jede Stufe verändert, was Ihnen noch offensteht.
- Messung
- Anonymverfügung
- Nicht bezahlt
- Lenkererhebung
- Strafverfügung
- Verfahren
- Straferkenntnis
Gefüllte Marke = eines der vier behördlichen Schreiben · offene Marke = ein Verfahrensschritt ohne eigenes Schreiben
- Die MessungEin stationäres oder mobiles Messgerät stellt die Übertretung fest. Das Foto zeigt das Fahrzeug, nicht notwendigerweise die lenkende Person.
- Die AnonymverfügungSie geht an die Person, von der die Behörde annimmt, dass sie den Lenker kennt — meist den Zulassungsbesitzer. Zahlungsfrist 4 Wochen, kein Rechtsmittel, kein Eintrag bei fristgerechter Zahlung, Löschung der Daten binnen 6 Monaten.
- Nicht bezahlt: die Anonymverfügung wird gegenstandslosSie erlischt ersatzlos. Das ist keine Erledigung — die Behörde ermittelt jetzt, wer gefahren ist.
- Die LenkererhebungDie Behörde fordert Auskunft darüber, wer das Fahrzeug gelenkt hat. Bei schriftlicher Aufforderung ist binnen zwei Wochen zu antworten. Die Auskunftspflicht ist eine Verfassungsbestimmung — Auskunftsverweigerungsrechte treten ausdrücklich zurück.
- Die StrafverfügungJetzt richtet sich das Verfahren gegen eine namentlich genannte Person. Höchstbetrag 600 €, Einspruch binnen 2 Wochen.
- Das ordentliche VerfahrenDer Einspruch setzt die Strafverfügung zur Gänze außer Kraft und gilt als Rechtfertigung. Die Behörde ermittelt und entscheidet neu — höher als in der Strafverfügung darf die Strafe dabei nicht ausfallen.
- Das StraferkenntnisDer Abschluss, mit dem vollen Rahmen der Bestimmung, einem Kostenbeitrag von 10 % (mindestens 10 €) und der Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht binnen 4 Wochen.
Prüfen
Ist dieser Brief echt?
Ein Zettel ohne Namen, mit einer Zahlungsaufforderung und einer Identifikationsnummer — das ist eine gute Vorlage für Betrug, und die Frage ist berechtigt.
Das Gesetz schreibt vor, was eine Anonymverfügung enthalten muss, und diese Aufzählung ist Ihre Prüfliste: die erlassende Behörde und das Datum der Ausfertigung, die Tat mit Zeit und Ort, die verletzte Verwaltungsvorschrift, die Strafe samt der angewendeten Gesetzesbestimmung und die Belehrung über die Folgen der Zahlung und der Nichtzahlung. Getrennt davon muss ein Zahlungsbeleg mit einer Identifikationsnummer beiliegen, die den Fall eindeutig zuordnet.
Woran ein gefälschtes Schreiben typischerweise scheitert: Es nennt keine konkrete Behörde oder eine, die es nicht gibt; die Tat ist unbestimmt beschrieben oder fehlt; die Belehrung fehlt; die Zahlungsdaten weisen auf ein Konto, das nicht zu einer österreichischen Behörde gehört; oder der Ton ist auf Dringlichkeit gebaut, mit einer sehr kurzen Frist und einer Drohung.
Der verlässlichste Test ist zugleich der einfachste: Rufen Sie die auf dem Schreiben genannte Behörde unter der Nummer an, die Sie SELBST auf deren offizieller Website nachschlagen — nicht unter der Nummer im Brief. Nennen Sie die Geschäftszahl oder die Identifikationsnummer. Die Behörde kann Ihnen sagen, ob der Fall dort existiert.
Und ein Hinweis in die andere Richtung: Der häufigste Grund, warum ein Schreiben unerwartet kommt, ist nicht Betrug, sondern die Zustellung an den Zulassungsbesitzer. Wer sein Fahrzeug verliehen hat, bekommt die Anonymverfügung trotzdem — sie richtet sich nicht gegen die Person, sondern an die Adresse, an der die Behörde den Lenker vermutet.
Was auf einer echten Anonymverfügung stehen muss
VStG § 49a Abs 3 und Abs 4
Zuständigkeit
Wien und die anderen Länder
Welche Behörde Ihnen schreibt, hängt vom Ort der Tat ab — und in Wien sieht der Absender anders aus als im übrigen Bundesgebiet.
Das Verwaltungsstrafverfahren im Straßenverkehr ist Bundesrecht: Die Bestimmungen, die Rahmen, die Instrumente und die Fristen auf dieser Seite gelten in ganz Österreich gleich. Was sich unterscheidet, ist die Behörde, die sie vollzieht.
Außerhalb der Statutarstädte ist das in der Regel die Bezirkshauptmannschaft; in den Städten mit eigenem Statut der Magistrat; und dort, wo eine Landespolizeidirektion zugleich Sicherheitsbehörde erster Instanz ist — in Wien und in den anderen Landeshauptstädten mit einer solchen Zuständigkeit —, kann auch sie das Verfahren führen. In Wien ist die Magistratsabteilung für das Verwaltungsstrafwesen die Stelle, die Sie in den meisten Fällen auf dem Schreiben finden.
Diese Seite führt bewusst keine Einzelseiten je Bundesland. Der Grund ist der eben genannte: Am Recht ändert die Zuständigkeit nichts, und neun Seiten, die dasselbe Bundesrecht mit einem anderen Behördennamen wiederholen, wären neun Gelegenheiten, auseinanderzulaufen. Die verbindliche Auskunft über Ihren Fall — Zahlungsdaten, Ratenansuchen, Akteneinsicht — gibt Ihnen ohnehin nur die Behörde, die auf Ihrem Schreiben steht.
Eine echte Ausnahme gibt es allerdings, und sie betrifft ausgerechnet den meistgesuchten Wiener Fall: Die Parkraumbewirtschaftung ist keine Angelegenheit der Straßenverkehrsordnung, sondern Landesrecht — Parkometerabgabe und Parkometergesetz. Sie folgt eigenen Regeln, die auf dieser Seite nicht behandelt werden. Wenn Ihr Schreiben eine Parkometerstrafe betrifft, ist die Stadt Wien die richtige Quelle, nicht diese Seite.
Nicht primärquellengeprüft
Die Behördenzuordnung oben ist eine Einordnung, keine belegte Regel
Zuständigkeitsvorschriften — in dieser Runde nicht erschlossen
Rechner
Fristen und Kosten
Tragen Sie das Datum vom Schreiben ein. Die Frist ergibt sich aus dem Instrument, nicht aus dem Betrag — und nur eines der vier Schreiben trägt einen Kostenbeitrag.
Die vier Instrumente haben vier verschiedene Uhren. Die Anonymverfügung will binnen 4 Wochen bezahlt sein; der Beleg einer Organstrafverfügung binnen 2 Wochen; der Einspruch gegen eine Strafverfügung ist binnen 2 Wochen einzubringen; die Beschwerde gegen ein Straferkenntnis binnen 4 Wochen.
Davon zu trennen ist die Zahlungsfrist für eine rechtskräftige Strafe: Sie beträgt 2 Wochen ab Rechtskraft. Verstreicht sie, kann die Behörde eine Mahnung schicken, die eine weitere Frist von höchstens 2 Wochen setzt und 5 € an Gebühr kostet.
Ihre Angaben
gelesen als02.08.2026
Bei der Anonymverfügung das Datum der Ausfertigung, bei Strafverfügung und Straferkenntnis das Datum der Zustellung.
Ihre Fristen
- Zahlungsfrist
- 30.08.2026
- Rechtsmittelfrist
- kein Rechtsmittel
Gegen dieses Schreiben gibt es kein Rechtsmittel. Das ist keine gute Nachricht und auch keine Sackgasse: eine Organstrafverfügung dürfen Sie zurückweisen — die Sache geht dann als Anzeige an die Behörde —, und eine nicht bezahlte Anonymverfügung wird gegenstandslos, worauf die Behörde ermittelt.
- Anonymverfügung: sie richtet sich an niemanden persönlich, bleibt innerhalb der Kappe des § 49a VStG und kennt kein Rechtsmittel. Wird sie nicht fristgerecht bezahlt, wird sie gegenstandslos und die Behörde ermittelt weiter — in der Regel über die Lenkererhebung. Bezahlt wird sie ohne Registereintrag: sie ist keine Verfolgungshandlung und scheint in keiner amtlichen Auskunft auf.
KostenbeitragNur das Straferkenntnis trägt einen Kostenbeitrag des Verfahrens erster Instanz. Die beschleunigten Instrumente und die Strafverfügung tragen keinen.
Die drei Uhren
← Tabelle seitlich scrollen →
| Uhr | Dauer | Bestimmung |
|---|---|---|
| Verfolgungsverjährung | 12 Monate | § 31 Abs 1 VStG |
| Strafbarkeitsverjährung | 3 Jahre | § 31 Abs 2 VStG |
| Vollstreckungsverjährung | 3 Jahre | § 31 Abs 3 VStG |
- Geltungszeitraum
- VStG-Instrumente idF BGBl. I Nr. 57/2018 (in Kraft 01.01.2019)
- Fundstelle
- VStG idF BGBl. I Nr. 57/2018; VwGVG § 7 idF BGBl. I Nr. 109/2021; KFG § 134 idF BGBl. I Nr. 79/2026
Details
Wenn nicht bezahlt wird
Eine nicht bezahlte Anonymverfügung wird gegenstandslos — das ist keine Erledigung, sondern der Übergang in ein Verfahren, in dem Sie namentlich geführt werden. Meistens beginnt es mit der Frage, wer gefahren ist.
Der häufigste Irrtum in diesem Thema lautet, eine nicht bezahlte Anonymverfügung sei eine erledigte Anonymverfügung. Das Gegenteil ist der Fall: Sie erlischt, und genau deshalb muss die Behörde den Sachverhalt jetzt auf dem ordentlichen Weg klären. Der erste Schritt dazu ist in aller Regel die Lenkererhebung.
Der zweite Irrtum betrifft die Verjährung. Die Verfolgungsverjährung von 1 Jahr läuft zwar — aber die Anonymverfügung hat sie nicht unterbrochen, weil sie ausdrücklich keine Verfolgungshandlung ist. Die Lenkererhebung und die Strafverfügung sind es sehr wohl. Das Aussitzen einer Anonymverfügung verschafft also keinen Zeitvorsprung, sondern tauscht ein Schreiben ohne Rechtsmittel gegen eines mit höherem Rahmen ein.
Wird eine rechtskräftige Strafe nicht bezahlt, folgt die Vollstreckung: zuerst die Mahnung mit ihrer Gebühr von 5 €, dann die Eintreibung. Kann die Geldstrafe nicht eingebracht werden, sieht das Gesetz die Ersatzfreiheitsstrafe vor, deren Dauer bei jeder Bestimmung mitgenannt ist; sie entfällt, sobald bezahlt wird. Die Vollstreckungsverjährung beträgt 3 Jahre ab Rechtskraft, wobei Zeiten im Ausland nicht eingerechnet werden.
Wer im Ausland wohnt, sollte einen zusätzlichen Punkt kennen: Bei Lenkerinnen und Lenkern ohne Wohnsitz in Österreich kann bereits an Ort und Stelle eine vorläufige Sicherheit eingehoben werden — bis zu 2 180 €. Für diesen Betrag ist eine Erhöhung bereits beschlossen; das genaue Datum und die Fundstelle stehen im Hinweis unter der Instrumententabelle.
Folge
Nicht zahlen ist kein Rechtsmittel
VStG § 49a Abs 6 · § 50 Abs 6 · § 64
Zustellung
RSa, RSb und wann eine Frist zu laufen beginnt
Fast alle Fristen auf dieser Seite laufen ab der Zustellung — nicht ab dem Datum, das oben auf dem Schreiben steht.
Behördliche Schreiben werden in Österreich häufig mit Zustellnachweis versandt. Der blaue Rückscheinbrief (RSb) darf an einen Ersatzempfänger an der Abgabestelle übergeben werden; der weiße (RSa) ist zu eigenen Handen zuzustellen und darf nicht an eine andere Person ausgefolgt werden. Beide Formen erzeugen einen Nachweis, aus dem sich der Zustelltag ergibt — und damit der Beginn Ihrer Frist.
Wird niemand angetroffen, wird das Schriftstück hinterlegt und Sie erhalten eine Verständigung. Ab dem in der Verständigung genannten Tag der Bereithaltung gilt das Schriftstück als zugestellt, auch wenn Sie es erst später abholen. Wer in dieser Zeit ortsabwesend war, kann das geltend machen — dann gilt die Zustellung erst mit der Rückkehr als bewirkt.
Praktisch folgen daraus zwei Regeln. Erstens: Notieren Sie den Zustelltag, nicht das Briefdatum; die Differenz beträgt oft mehrere Tage und geht sonst von Ihrer Frist ab. Zweitens: Eine Adressänderung, die der Behörde nicht bekannt ist, schützt nicht — sie führt nur dazu, dass Fristen laufen, ohne dass Sie das Schreiben gesehen haben.
Nicht primärquellengeprüft
Das Zustellrecht steht in einem eigenen Gesetz, das hier nicht erschlossen wurde
Zustellgesetz — außerhalb der Primärquellen-Runde dieser Seite
Zahlung
Raten sind ein Rechtsanspruch, keine Kulanz
Wer die Strafe auf einmal nicht tragen kann, muss nicht auf das Entgegenkommen der Behörde hoffen — das Gesetz formuliert eine Pflicht.
§ 54b VStG sagt, dass die Behörde einen Aufschub oder Teilzahlungen auf Antrag zu bewilligen HAT, wenn die sofortige Zahlung wirtschaftlich unzumutbar ist. Das ist kein Ermessen und keine Kulanz, sondern ein Anspruch — er muss allerdings geltend gemacht werden, und zwar mit einem Antrag.
Der Antrag ist formfrei und geht an die Behörde, die die Strafe verhängt hat. Sinnvoll ist, die Geschäftszahl anzuführen, die wirtschaftliche Lage kurz und nachvollziehbar darzustellen und einen konkreten Vorschlag zu machen — welcher Betrag in welchem Rhythmus. Je konkreter der Vorschlag, desto weniger Rückfragen.
Eine Bedingung ist wichtig: Wer mit mindestens 2 Raten in Verzug gerät, bei dem wird der gesamte offene Rest sofort fällig. Ein Ratenplan, der von vornherein zu knapp kalkuliert ist, ist deshalb riskanter als einer mit etwas niedrigeren Raten über einen längeren Zeitraum.
Und ein Hinweis zur Reihenfolge: Der Antrag sollte gestellt werden, BEVOR die Zahlungsfrist von 2 Wochen abgelaufen ist. Danach ist er nicht ausgeschlossen, aber die Mahnung mit ihrer Gebühr von 5 € ist dann möglicherweise schon unterwegs.
Der kürzeste Weg
Befunde
Was es dabei nicht gibt
Zwei verbreitete Annahmen über das Bezahlen, die im österreichischen Verwaltungsstrafrecht keine Grundlage haben.
Keinen Frühzahler-Rabatt
VStG, Volltext (Geltende Fassung) — 0 Treffer
Keine Eintragung durch eine bezahlte Anonymverfügung
VStG § 49a Abs 6–8
Nächster Schritt
Strafenkatalog
Die Strafrahmen der häufigsten Verkehrsübertretungen nach Bestimmung geordnet — mit Fundstelle, und mit den Fällen, in denen das Gesetz einen fixen Betrag nennt.
Weiterlesen
Führerscheinentzug
Der Entzug ist die Folge, die wirklich weh tut — und er hängt an ganz anderen Schwellen als die Geldstrafe. Diese Seite zeigt, wann er kommt, wie lange er mindestens dauert, was bei Alkohol gilt und was das Vormerksystem damit zu tun hat.
Geschwindigkeitsüberschreitung
Die häufigste Übertretung — und die mit den meisten Stufen. Der Rahmen steigt mit der Überschreitung, an zwei Stellen nennt das Gesetz einen fixen Betrag, und ab einer bestimmten Höhe steht nicht mehr das Geld im Vordergrund, sondern der Führerschein und das Fahrzeug.
Häufige Fragen
Die Fragen, die am häufigsten gestellt werden. Mehrere davon korrigieren eine verbreitete Annahme, die aus dem deutschen Recht stammt — das sind die wertvollsten Antworten auf dieser Seite.
Häufige Fragen