Strafmeter

Der Brief

Anonymverfügung und die anderen drei

Vier Schreiben, vier Regeln. Der Name oben auf dem Blatt entscheidet über Höchstbetrag, Rechtsmittel, Frist und darüber, ob überhaupt etwas eingetragen wird — und dieser Unterschied ist wichtiger als der Betrag darunter.

Gelbes Fensterkuvert auf dem Fliesenboden eines Stiegenhauses vor einer Wohnungstür

Instrumente

Welcher Zettel ist das?

Vier Schreiben, vier Regeln. Der Name oben auf dem Blatt entscheidet über Höchstbetrag, Rechtsmittel, Frist und Registerfolge — und dieser Unterschied ist wichtiger als der Betrag darunter.

Die Organstrafverfügung — im Alltag Organmandat genannt — wird von einem Straßenaufsichtsorgan an Ort und Stelle festgesetzt, für Übertretungen, die es selbst wahrgenommen hat oder die eingestanden wurden. Ihr Höchstbetrag liegt bei 90 €. Sie kennt kein Rechtsmittel, aber das bedeutet nicht, dass Sie zahlen müssen: Die Annahme darf verweigert werden. Dann wird die Organstrafverfügung gegenstandslos und die Sache geht als Anzeige an die Behörde. Wer den Beleg mitnimmt und nicht binnen 2 Wochen zahlt, hat damit ebenfalls verweigert.

Die Anonymverfügung ist der Zettel ohne Namen. Sie ergeht typischerweise nach einer automatisierten Messung und wird an die Person zugestellt, von der die Behörde annimmt, dass sie den Lenker kennt — in der Regel der Zulassungsbesitzer. Ihr Höchstbetrag liegt bei 365 €, ihre Zahlungsfrist bei 4 Wochen. Sie richtet sich an niemanden persönlich, ist ausdrücklich keine Verfolgungshandlung und kennt deshalb auch kein Rechtsmittel.

Die Strafverfügung ist die erste förmliche Entscheidung. Die Behörde erlässt sie ohne vorheriges Ermittlungsverfahren, wenn die Übertretung von einem Organ wahrgenommen, eingestanden oder mit einem Messgerät festgestellt wurde. Ihr Höchstbetrag liegt bei 600 €; für die Tatbestände, deren Beträge im Vorhinein durch Verordnung festgesetzt sind, bei 500 €. Und sie ist das erste Schreiben mit einem echten Rechtsmittel: dem Einspruch binnen 2 Wochen.

Das Straferkenntnis schließt das ordentliche Verfahren ab. Es hat keinen eigenen Höchstbetrag — es trägt den Strafrahmen der Bestimmung, gegen die verstoßen wurde. Dafür trägt es als einziges der vier Schreiben einen Kostenbeitrag: 10 % der verhängten Strafe, mindestens 10 €. Dagegen steht die Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht binnen 4 Wochen offen.

  • Organstrafverfügung

    VStG § 50

    Das Organmandat: ein Straßenaufsichtsorgan hält Sie an und setzt die Strafe an Ort und Stelle fest. Sie zahlen sofort oder mit dem Beleg.

    Höchstbetrag
    90 €
    Rechtsmittel
    keines — Zahlung darf aber verweigert werden
  • Anonymverfügung

    VStG § 49a

    Der Zettel ohne Namen. Er richtet sich an kein bestimmtes Gegenüber — deshalb wird nichts eingetragen, wenn er fristgerecht bezahlt wird.

    Höchstbetrag
    365 €
    Rechtsmittel
    keines — sie wird bei Nichtzahlung gegenstandslos
  • Strafverfügung

    VStG § 47 · Einspruch § 49

    Die erste förmliche Entscheidung der Behörde, ohne vorheriges Ermittlungsverfahren. Ab hier gibt es ein Rechtsmittel.

    Höchstbetrag
    600 €
    Rechtsmittel
    Einspruch
  • Straferkenntnis

    VwGVG § 7 · Kosten VStG § 64

    Der Abschluss des ordentlichen Verfahrens. Es trägt den vollen Strafrahmen der verletzten Bestimmung und den Kostenbeitrag.

    Höchstbetrag
    kein eigener Höchstbetrag — es gilt der Strafrahmen der Bestimmung
    Rechtsmittel
    Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht

Instrumentenvergleich

Die vier im direkten Vergleich

Dieselbe Übertretung kann auf jedem dieser Wege ankommen. Was sich unterscheidet, ist nicht der Vorwurf, sondern das Verfahren.

Der praktisch wichtigste Unterschied steht in der Spalte „Registerfolge". Eine fristgerecht bezahlte Anonymverfügung erzeugt keinen Eintrag, wird in keiner amtlichen Auskunft aufscheinen und darf bei einer späteren Strafbemessung nicht berücksichtigt werden; die Daten sind binnen 6 Monaten zu löschen. Eine Strafverfügung und ein Straferkenntnis erzeugen dagegen eine Vormerkung, wenn die Tat ein Vormerkdelikt ist.

Der zweitwichtigste steht in der Spalte „Rechtsmittel". Nur zwei der vier Schreiben kennen eines. Bei den beiden anderen ist die Nichtzahlung der einzige Weg, eine überprüfbare Entscheidung zu erzwingen — mit dem Kostenrisiko des förmlichen Verfahrens als Preis.

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Die vier Instrumente des österreichischen Verwaltungsstrafverfahrens im Vergleich.
InstrumentHöchstbetragRechtsmittelFristRegisterfolge
OrganstrafverfügungVStG § 5090 €keines — Zahlung darf aber verweigert werden14 Tagekeine Vormerkung durch das Instrument selbst
AnonymverfügungVStG § 49a365 €keines — sie wird bei Nichtzahlung gegenstandslos28 Tagekeine — sie ist keine Verfolgungshandlung
StrafverfügungVStG § 47 · Einspruch § 49600 €Einspruch14 TageVormerkung, wenn die Tat ein Vormerkdelikt ist
StraferkenntnisVwGVG § 7 · Kosten VStG § 64Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht28 TageVormerkung, wenn die Tat ein Vormerkdelikt ist

Straferkenntnis: kein eigener Höchstbetrag — es gilt der Strafrahmen der Bestimmung.

Geltungszeitraum
VStG-Instrumente idF BGBl. I Nr. 57/2018 (in Kraft 01.01.2019)
Fundstelle
VStG idF BGBl. I Nr. 57/2018; VwGVG § 7 idF BGBl. I Nr. 109/2021; KFG § 134 idF BGBl. I Nr. 79/2026

Geplante Änderung

  • ab 01.10.2026: Der Höchstbetrag der vorläufigen Sicherheitsleistung nach dem KFG wird angehoben. Die im Gesetz fixierten Beträge für Handy, Gurt und Sturzhelm bleiben davon unberührt.BGBl. I Nr. 79/2026 · KFG 1967 § 134

Ablauf

Was der Reihe nach passiert

Vom Foto bis zum Straferkenntnis — und an welcher Stelle es ein Rechtsmittel gibt und an welcher nicht.

Der typische Weg einer automatisierten Messung ist in Österreich gut vorhersehbar, und es lohnt sich, ihn einmal ganz zu kennen: Jede Stufe hat ihre eigene Frist, und jede Stufe verändert, was Ihnen noch offensteht.

  1. Die MessungEin stationäres oder mobiles Messgerät stellt die Übertretung fest. Das Foto zeigt das Fahrzeug, nicht notwendigerweise die lenkende Person.
  2. Die AnonymverfügungSie geht an die Person, von der die Behörde annimmt, dass sie den Lenker kennt — meist den Zulassungsbesitzer. Zahlungsfrist 4 Wochen, kein Rechtsmittel, kein Eintrag bei fristgerechter Zahlung, Löschung der Daten binnen 6 Monaten.
  3. Nicht bezahlt: die Anonymverfügung wird gegenstandslosSie erlischt ersatzlos. Das ist keine Erledigung — die Behörde ermittelt jetzt, wer gefahren ist.
  4. Die LenkererhebungDie Behörde fordert Auskunft darüber, wer das Fahrzeug gelenkt hat. Bei schriftlicher Aufforderung ist binnen zwei Wochen zu antworten. Die Auskunftspflicht ist eine Verfassungsbestimmung — Auskunftsverweigerungsrechte treten ausdrücklich zurück.
  5. Die StrafverfügungJetzt richtet sich das Verfahren gegen eine namentlich genannte Person. Höchstbetrag 600 €, Einspruch binnen 2 Wochen.
  6. Das ordentliche VerfahrenDer Einspruch setzt die Strafverfügung zur Gänze außer Kraft und gilt als Rechtfertigung. Die Behörde ermittelt und entscheidet neu — höher als in der Strafverfügung darf die Strafe dabei nicht ausfallen.
  7. Das StraferkenntnisDer Abschluss, mit dem vollen Rahmen der Bestimmung, einem Kostenbeitrag von 10 % (mindestens 10 €) und der Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht binnen 4 Wochen.

Prüfen

Ist dieser Brief echt?

Ein Zettel ohne Namen, mit einer Zahlungsaufforderung und einer Identifikationsnummer — das ist eine gute Vorlage für Betrug, und die Frage ist berechtigt.

Das Gesetz schreibt vor, was eine Anonymverfügung enthalten muss, und diese Aufzählung ist Ihre Prüfliste: die erlassende Behörde und das Datum der Ausfertigung, die Tat mit Zeit und Ort, die verletzte Verwaltungsvorschrift, die Strafe samt der angewendeten Gesetzesbestimmung und die Belehrung über die Folgen der Zahlung und der Nichtzahlung. Getrennt davon muss ein Zahlungsbeleg mit einer Identifikationsnummer beiliegen, die den Fall eindeutig zuordnet.

Woran ein gefälschtes Schreiben typischerweise scheitert: Es nennt keine konkrete Behörde oder eine, die es nicht gibt; die Tat ist unbestimmt beschrieben oder fehlt; die Belehrung fehlt; die Zahlungsdaten weisen auf ein Konto, das nicht zu einer österreichischen Behörde gehört; oder der Ton ist auf Dringlichkeit gebaut, mit einer sehr kurzen Frist und einer Drohung.

Der verlässlichste Test ist zugleich der einfachste: Rufen Sie die auf dem Schreiben genannte Behörde unter der Nummer an, die Sie SELBST auf deren offizieller Website nachschlagen — nicht unter der Nummer im Brief. Nennen Sie die Geschäftszahl oder die Identifikationsnummer. Die Behörde kann Ihnen sagen, ob der Fall dort existiert.

Und ein Hinweis in die andere Richtung: Der häufigste Grund, warum ein Schreiben unerwartet kommt, ist nicht Betrug, sondern die Zustellung an den Zulassungsbesitzer. Wer sein Fahrzeug verliehen hat, bekommt die Anonymverfügung trotzdem — sie richtet sich nicht gegen die Person, sondern an die Adresse, an der die Behörde den Lenker vermutet.

Was auf einer echten Anonymverfügung stehen muss

Die erlassende Behörde und das Datum, die Tat nach Zeit und Ort, die verletzte Verwaltungsvorschrift, die Strafe samt angewendeter Gesetzesbestimmung und die Belehrung — dazu, als eigene Anforderung, der Beleg mit der Identifikationsnummer. Fehlt einer dieser Punkte, ist Nachfragen bei der genannten Behörde der richtige nächste Schritt.

VStG § 49a Abs 3 und Abs 4

Zuständigkeit

Wien und die anderen Länder

Welche Behörde Ihnen schreibt, hängt vom Ort der Tat ab — und in Wien sieht der Absender anders aus als im übrigen Bundesgebiet.

Das Verwaltungsstrafverfahren im Straßenverkehr ist Bundesrecht: Die Bestimmungen, die Rahmen, die Instrumente und die Fristen auf dieser Seite gelten in ganz Österreich gleich. Was sich unterscheidet, ist die Behörde, die sie vollzieht.

Außerhalb der Statutarstädte ist das in der Regel die Bezirkshauptmannschaft; in den Städten mit eigenem Statut der Magistrat; und dort, wo eine Landespolizeidirektion zugleich Sicherheitsbehörde erster Instanz ist — in Wien und in den anderen Landeshauptstädten mit einer solchen Zuständigkeit —, kann auch sie das Verfahren führen. In Wien ist die Magistratsabteilung für das Verwaltungsstrafwesen die Stelle, die Sie in den meisten Fällen auf dem Schreiben finden.

Diese Seite führt bewusst keine Einzelseiten je Bundesland. Der Grund ist der eben genannte: Am Recht ändert die Zuständigkeit nichts, und neun Seiten, die dasselbe Bundesrecht mit einem anderen Behördennamen wiederholen, wären neun Gelegenheiten, auseinanderzulaufen. Die verbindliche Auskunft über Ihren Fall — Zahlungsdaten, Ratenansuchen, Akteneinsicht — gibt Ihnen ohnehin nur die Behörde, die auf Ihrem Schreiben steht.

Eine echte Ausnahme gibt es allerdings, und sie betrifft ausgerechnet den meistgesuchten Wiener Fall: Die Parkraumbewirtschaftung ist keine Angelegenheit der Straßenverkehrsordnung, sondern Landesrecht — Parkometerabgabe und Parkometergesetz. Sie folgt eigenen Regeln, die auf dieser Seite nicht behandelt werden. Wenn Ihr Schreiben eine Parkometerstrafe betrifft, ist die Stadt Wien die richtige Quelle, nicht diese Seite.

Nicht primärquellengeprüft

Die Behördenzuordnung oben ist eine Einordnung, keine belegte Regel

Erschlossen wurden für diese Seite die materiellen Bestimmungen und das Verfahrensrecht, nicht die Zuständigkeitsvorschriften. Welche Stelle in Ihrem Fall zuständig ist, steht auf Ihrem Schreiben — und das ist zugleich die Auskunft, auf die es ankommt.

Zuständigkeitsvorschriften — in dieser Runde nicht erschlossen

Rechner

Fristen und Kosten

Tragen Sie das Datum vom Schreiben ein. Die Frist ergibt sich aus dem Instrument, nicht aus dem Betrag — und nur eines der vier Schreiben trägt einen Kostenbeitrag.

Die vier Instrumente haben vier verschiedene Uhren. Die Anonymverfügung will binnen 4 Wochen bezahlt sein; der Beleg einer Organstrafverfügung binnen 2 Wochen; der Einspruch gegen eine Strafverfügung ist binnen 2 Wochen einzubringen; die Beschwerde gegen ein Straferkenntnis binnen 4 Wochen.

Davon zu trennen ist die Zahlungsfrist für eine rechtskräftige Strafe: Sie beträgt 2 Wochen ab Rechtskraft. Verstreicht sie, kann die Behörde eine Mahnung schicken, die eine weitere Frist von höchstens 2 Wochen setzt und 5 € an Gebühr kostet.

Ihre Angaben

Welches Schreiben

gelesen als02.08.2026

Bei der Anonymverfügung das Datum der Ausfertigung, bei Strafverfügung und Straferkenntnis das Datum der Zustellung.

Ihre Fristen

Zahlungsfrist
30.08.2026
Rechtsmittelfrist
kein Rechtsmittel

Gegen dieses Schreiben gibt es kein Rechtsmittel. Das ist keine gute Nachricht und auch keine Sackgasse: eine Organstrafverfügung dürfen Sie zurückweisen — die Sache geht dann als Anzeige an die Behörde —, und eine nicht bezahlte Anonymverfügung wird gegenstandslos, worauf die Behörde ermittelt.

  • Anonymverfügung: sie richtet sich an niemanden persönlich, bleibt innerhalb der Kappe des § 49a VStG und kennt kein Rechtsmittel. Wird sie nicht fristgerecht bezahlt, wird sie gegenstandslos und die Behörde ermittelt weiter — in der Regel über die Lenkererhebung. Bezahlt wird sie ohne Registereintrag: sie ist keine Verfolgungshandlung und scheint in keiner amtlichen Auskunft auf.

KostenbeitragNur das Straferkenntnis trägt einen Kostenbeitrag des Verfahrens erster Instanz. Die beschleunigten Instrumente und die Strafverfügung tragen keinen.

Die drei Uhren

← Tabelle seitlich scrollen →

Die drei Verjährungsfristen des Verwaltungsstrafverfahrens.
UhrDauerBestimmung
Verfolgungsverjährung12 Monate§ 31 Abs 1 VStG
Strafbarkeitsverjährung3 Jahre§ 31 Abs 2 VStG
Vollstreckungsverjährung3 Jahre§ 31 Abs 3 VStG
Geltungszeitraum
VStG-Instrumente idF BGBl. I Nr. 57/2018 (in Kraft 01.01.2019)
Fundstelle
VStG idF BGBl. I Nr. 57/2018; VwGVG § 7 idF BGBl. I Nr. 109/2021; KFG § 134 idF BGBl. I Nr. 79/2026

Details

Wenn nicht bezahlt wird

Eine nicht bezahlte Anonymverfügung wird gegenstandslos — das ist keine Erledigung, sondern der Übergang in ein Verfahren, in dem Sie namentlich geführt werden. Meistens beginnt es mit der Frage, wer gefahren ist.

Der häufigste Irrtum in diesem Thema lautet, eine nicht bezahlte Anonymverfügung sei eine erledigte Anonymverfügung. Das Gegenteil ist der Fall: Sie erlischt, und genau deshalb muss die Behörde den Sachverhalt jetzt auf dem ordentlichen Weg klären. Der erste Schritt dazu ist in aller Regel die Lenkererhebung.

Der zweite Irrtum betrifft die Verjährung. Die Verfolgungsverjährung von 1 Jahr läuft zwar — aber die Anonymverfügung hat sie nicht unterbrochen, weil sie ausdrücklich keine Verfolgungshandlung ist. Die Lenkererhebung und die Strafverfügung sind es sehr wohl. Das Aussitzen einer Anonymverfügung verschafft also keinen Zeitvorsprung, sondern tauscht ein Schreiben ohne Rechtsmittel gegen eines mit höherem Rahmen ein.

Wird eine rechtskräftige Strafe nicht bezahlt, folgt die Vollstreckung: zuerst die Mahnung mit ihrer Gebühr von 5 €, dann die Eintreibung. Kann die Geldstrafe nicht eingebracht werden, sieht das Gesetz die Ersatzfreiheitsstrafe vor, deren Dauer bei jeder Bestimmung mitgenannt ist; sie entfällt, sobald bezahlt wird. Die Vollstreckungsverjährung beträgt 3 Jahre ab Rechtskraft, wobei Zeiten im Ausland nicht eingerechnet werden.

Wer im Ausland wohnt, sollte einen zusätzlichen Punkt kennen: Bei Lenkerinnen und Lenkern ohne Wohnsitz in Österreich kann bereits an Ort und Stelle eine vorläufige Sicherheit eingehoben werden — bis zu 2 180 €. Für diesen Betrag ist eine Erhöhung bereits beschlossen; das genaue Datum und die Fundstelle stehen im Hinweis unter der Instrumententabelle.

Folge

Nicht zahlen ist kein Rechtsmittel

Bei der Organstrafverfügung ist die Verweigerung tatsächlich der vorgesehene Weg zu einer überprüfbaren Entscheidung. Bei der Anonymverfügung ist sie das nicht: Sie führt nicht zu einer Prüfung Ihres Einwands, sondern nur in ein Verfahren mit höherem Rahmen und mit Kostenfolge. Wer einen Einwand hat, sollte ihn dort vorbringen, wo das Gesetz ihn vorsieht — im Einspruch gegen die Strafverfügung.

VStG § 49a Abs 6 · § 50 Abs 6 · § 64

Zustellung

RSa, RSb und wann eine Frist zu laufen beginnt

Fast alle Fristen auf dieser Seite laufen ab der Zustellung — nicht ab dem Datum, das oben auf dem Schreiben steht.

Behördliche Schreiben werden in Österreich häufig mit Zustellnachweis versandt. Der blaue Rückscheinbrief (RSb) darf an einen Ersatzempfänger an der Abgabestelle übergeben werden; der weiße (RSa) ist zu eigenen Handen zuzustellen und darf nicht an eine andere Person ausgefolgt werden. Beide Formen erzeugen einen Nachweis, aus dem sich der Zustelltag ergibt — und damit der Beginn Ihrer Frist.

Wird niemand angetroffen, wird das Schriftstück hinterlegt und Sie erhalten eine Verständigung. Ab dem in der Verständigung genannten Tag der Bereithaltung gilt das Schriftstück als zugestellt, auch wenn Sie es erst später abholen. Wer in dieser Zeit ortsabwesend war, kann das geltend machen — dann gilt die Zustellung erst mit der Rückkehr als bewirkt.

Praktisch folgen daraus zwei Regeln. Erstens: Notieren Sie den Zustelltag, nicht das Briefdatum; die Differenz beträgt oft mehrere Tage und geht sonst von Ihrer Frist ab. Zweitens: Eine Adressänderung, die der Behörde nicht bekannt ist, schützt nicht — sie führt nur dazu, dass Fristen laufen, ohne dass Sie das Schreiben gesehen haben.

Nicht primärquellengeprüft

Das Zustellrecht steht in einem eigenen Gesetz, das hier nicht erschlossen wurde

Die Fristen auf dieser Seite stammen aus dem Verwaltungsstrafgesetz und aus dem Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz; die Zustellregeln selbst stehen im Zustellgesetz, das für diese Seite nicht primärquellenmäßig gelesen wurde. Der Abschnitt oben beschreibt den Ablauf, wie er in der Praxis begegnet. Verbindlich für den Fristbeginn ist der Zustellnachweis beziehungsweise die Verständigung über die Hinterlegung — und im Zweifel die Auskunft der Behörde.

Zustellgesetz — außerhalb der Primärquellen-Runde dieser Seite

Zahlung

Raten sind ein Rechtsanspruch, keine Kulanz

Wer die Strafe auf einmal nicht tragen kann, muss nicht auf das Entgegenkommen der Behörde hoffen — das Gesetz formuliert eine Pflicht.

§ 54b VStG sagt, dass die Behörde einen Aufschub oder Teilzahlungen auf Antrag zu bewilligen HAT, wenn die sofortige Zahlung wirtschaftlich unzumutbar ist. Das ist kein Ermessen und keine Kulanz, sondern ein Anspruch — er muss allerdings geltend gemacht werden, und zwar mit einem Antrag.

Der Antrag ist formfrei und geht an die Behörde, die die Strafe verhängt hat. Sinnvoll ist, die Geschäftszahl anzuführen, die wirtschaftliche Lage kurz und nachvollziehbar darzustellen und einen konkreten Vorschlag zu machen — welcher Betrag in welchem Rhythmus. Je konkreter der Vorschlag, desto weniger Rückfragen.

Eine Bedingung ist wichtig: Wer mit mindestens 2 Raten in Verzug gerät, bei dem wird der gesamte offene Rest sofort fällig. Ein Ratenplan, der von vornherein zu knapp kalkuliert ist, ist deshalb riskanter als einer mit etwas niedrigeren Raten über einen längeren Zeitraum.

Und ein Hinweis zur Reihenfolge: Der Antrag sollte gestellt werden, BEVOR die Zahlungsfrist von 2 Wochen abgelaufen ist. Danach ist er nicht ausgeschlossen, aber die Mahnung mit ihrer Gebühr von 5 € ist dann möglicherweise schon unterwegs.

Der kürzeste Weg

Ein formloser Antrag an die im Schreiben genannte Behörde, mit Geschäftszahl, kurzer Begründung und einem konkreten Ratenvorschlag — rechtzeitig gestellt, ist das der ganze Vorgang.

Befunde

Was es dabei nicht gibt

Zwei verbreitete Annahmen über das Bezahlen, die im österreichischen Verwaltungsstrafrecht keine Grundlage haben.

Keinen Frühzahler-Rabatt

Die Volltextsuche des gesamten Verwaltungsstrafgesetzes nach Rabatt, Ermäßigung, Skonto, Nachlass und vorzeitiger Zahlung ergab keinen einzigen Treffer. Die funktionale Entsprechung ist die Staffelung der Instrumente selbst — Organmandat und Anonymverfügung liegen unter dem förmlichen Rahmen —, kein Prozentabzug.

VStG, Volltext (Geltende Fassung) — 0 Treffer

Keine Eintragung durch eine bezahlte Anonymverfügung

Die Anonymverfügung ist ausdrücklich keine Verfolgungshandlung. Wird sie fristgerecht bezahlt, entsteht kein Registereintrag, sie scheint in keiner amtlichen Auskunft auf und wird bei einer künftigen Strafbemessung nicht berücksichtigt; die Daten sind binnen der gesetzlichen Frist zu löschen.

VStG § 49a Abs 6–8

Nächster Schritt

Strafenkatalog

Die Strafrahmen der häufigsten Verkehrsübertretungen nach Bestimmung geordnet — mit Fundstelle, und mit den Fällen, in denen das Gesetz einen fixen Betrag nennt.

Weiterlesen

Häufige Fragen

Alle Werte aus Primärquellen (RIS) — geprüft und von der prüfenden Person freigegeben.