Strafmeter

Beiträge

Welcher Zettel ist das?

Vier Schreiben mit ähnlichen Namen und sehr verschiedenen Folgen. Diese Seite legt sie nebeneinander und sagt bei jedem, woran Sie es erkennen und was daraus folgt.

veröffentlicht 02.08.2026

Vier aufgefächerte, gefaltete Briefe und ein Kuvert auf einem Schreibtisch, Aufsicht

Instrumente

Vier Namen, die nicht dasselbe bedeuten

Organmandat, Anonymverfügung, Strafverfügung, Straferkenntnis — der Name oben auf dem Blatt entscheidet über alles Weitere.

Die vier Instrumente unterscheiden sich in vier Punkten: im Höchstbetrag, im Rechtsmittel, in der Frist und darin, ob überhaupt etwas eingetragen wird. Dieselbe Übertretung kann auf jedem dieser Wege ankommen — was sich unterscheidet, ist nicht der Vorwurf, sondern das Verfahren.

Die Organstrafverfügung, im Alltag Organmandat, kommt vom Organ vor Ort. Höchstbetrag 90 €. Kein Rechtsmittel — aber die Annahme darf verweigert werden, und dann geht die Sache als Anzeige an die Behörde. Wer den Beleg mitnimmt und binnen 2 Wochen nicht zahlt, hat damit ebenfalls verweigert.

Die Anonymverfügung kommt mit der Post und ohne Namen. Höchstbetrag 365 €, Zahlungsfrist 4 Wochen. Kein Rechtsmittel, aber auch kein Eintrag: Wird sie fristgerecht bezahlt, ist der Fall dauerhaft erledigt und die Daten sind binnen 6 Monaten zu löschen.

Die Strafverfügung ist die erste förmliche Entscheidung. Höchstbetrag 600 € — beziehungsweise 500 € für die Tatbestände mit im Vorhinein festgesetzten Beträgen. Sie kennt als erstes der vier Schreiben ein echtes Rechtsmittel: den Einspruch binnen 2 Wochen.

Das Straferkenntnis schließt das ordentliche Verfahren ab. Es hat keinen eigenen Höchstbetrag, sondern trägt den Rahmen der verletzten Bestimmung, und als einziges der vier trägt es einen Kostenbeitrag: 10 %, mindestens 10 €. Dagegen steht die Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht binnen 4 Wochen.

Prüfen

Woran Sie erkennen, welches Sie in der Hand halten

Drei Merkmale genügen, um die vier auseinanderzuhalten.

Das erste Merkmal ist die Anrede. Steht kein Name darauf und richtet sich das Schreiben an niemanden persönlich, ist es eine Anonymverfügung. Alle anderen nennen eine Person.

Das zweite ist die Rechtsmittelbelehrung am Ende. Eine Strafverfügung belehrt über den Einspruch, ein Straferkenntnis über die Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht. Fehlt eine solche Belehrung ganz, ist das ein starker Hinweis auf eines der beiden Instrumente ohne Rechtsmittel.

Das dritte ist die Situation. Ein Organmandat bekommen Sie von einer Person in Uniform, an Ort und Stelle, mit einem Beleg. Alles Übrige kommt mit der Post.

Und wenn es doch unklar bleibt: Die Bezeichnung steht in der Regel im Kopf des Schreibens. Sie ist verbindlich — nicht der Betrag, nicht die Formulierung im Text und nicht das, was man von Bekannten gehört hat.

Der Betrag verrät das Instrument nicht

Ein niedriger Betrag kann auf einer Strafverfügung stehen, und ein Betrag nahe am Höchstbetrag der Anonymverfügung sagt nichts darüber, ob ein Rechtsmittel offensteht. Was die Regeln bestimmt, ist die Bezeichnung des Schreibens, nicht seine Summe.

VStG §§ 47, 49a, 50

Folgen

Was aus jedem der vier folgt

Die praktische Konsequenz ist bei jedem Instrument eine andere — auch bei identischem Vorwurf.

Beim Organmandat haben Sie eine echte Wahl: zahlen und die Sache ist erledigt, oder verweigern und eine überprüfbare Entscheidung erzwingen. Die Verweigerung ist ausdrücklich zulässig und keine Trotzhandlung — sie ist der einzige Weg zu einem Rechtsmittel. Der Preis ist das Kostenrisiko des förmlichen Verfahrens.

Bei der Anonymverfügung ist die Wahl anders gelagert. Zahlen beendet den Fall vollständig und ohne Eintrag. Nicht zahlen führt nicht zu einer Prüfung Ihres Einwands, sondern nur dazu, dass die Behörde ermittelt, wer gefahren ist — und das Verfahren mit einem höheren Rahmen wieder aufnimmt.

Bei der Strafverfügung ist der Einspruch der vorgesehene Weg. Er setzt die Entscheidung zur Gänze außer Kraft, gilt zugleich als Rechtfertigung und öffnet das ordentliche Verfahren. Ein wichtiger Schutz dabei: Höher als in der aufgehobenen Strafverfügung darf die Strafe danach nicht ausfallen.

Beim Straferkenntnis bleibt die Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht. Hier ist die Kostenfrage am deutlichsten: Der Kostenbeitrag von 10 %, mindestens 10 €, ist bereits Teil der Entscheidung, gegen die Sie vorgehen.

Nächster Schritt

Anonymverfügung und die anderen drei

Die vier Instrumente des Verwaltungsstrafverfahrens im Vergleich — Höchstbetrag, Rechtsmittel, Frist und Registerfolge, mit Fristenrechner.

Weiterlesen

Häufige Fragen

Alle Werte aus Primärquellen (RIS) — geprüft und von der prüfenden Person freigegeben.